Die Berufsgruppe Schausteller
Die Berufsgruppe der Schausteller ist sehr vielgestaltig. In der Vergangenheit unter dem Begriff "Fahrendes Volk" bekannt, verstand man darunter Künstler und Betriebe, welche umherziehend sich oder ihre Waren auf Jahrmärkten, im Zirkus oder Varieté darboten.
Doch das Bild hat sich gewandelt. Längst sind die auf Stadtfesten, Volksfesten oder Kirmesveranstaltungen vertretenen Schausteller zu Betrieben avanciert, welche die gleichen Aufgaben und Probleme zu bewältigen haben wie standortgebundene Unternehmen. Die genaue Definition für Schausteller wurde zum 01.01.2002 in der Gewerbeordnung erfasst, wonach es sich um Gewerbetreibende handelt, deren Betriebsstätte/n entsprechend ihrer Gestaltung und äußeren Aufmachung als volksfesttypisch anzusehen ist bzw. sind. Dazu gehören Fahr- und Verkaufsgeschäfte, Zeltgaststätten, Imbiss und Ausschank, Schau-, Belustigungs-, Schieß- und Ausspielungsgeschäfte. Weiterhin wird die Reisegewerbstätigkeit an wechselnden Orten wie auf Jahrmärkten, Volksfesten oder Veranstaltungen ähnlicher Art ausgeübt.
Schausteller tragen meist ein enormes finanzielles Risiko, welches durch hohe Investitionen für den Erwerb der Fahrgeschäfte verursacht wird. Die eigentliche Saison, in der sich Umsätze erzielen lassen, dauert etwa 120 Tage im Jahr, zuzüglich der so genannten Rüsttage für Auf- und Abbau sowie Transportwege. Während dieser Zeit werden durchschnittlich etwa 18 Veranstaltungen beschickt. Die Saison beginnt im Frühjahr und endet meist erst mit den Weihnachtsmärkten, da ständig steigende Betriebskosten eine Präsenz dort zur Überbrückung der Winterpause erforderlich machen. Hinzu kommt, dass ein zurückhaltendes Konsumverhalten der Verbraucher sich natürlich auch auf den Umsatz der Schausteller auswirkt.
Bei den im Schaustellergewerbe tätigen Betrieben handelt es sich vorwiegend um Familienunternehmen. Ebenso wie ortsansässige Firmen werden sie nach betriebswirtschaftlichen Erwägungen geführt. Doch hinzu kommen noch weitere Probleme, denn stets ist es nötig, sich um einen Standplatz zu bemühen, womit wiederum unterschiedlichste Aufgaben verbunden sind. Meist werden während der Saison zusätzliche Arbeitskräfte beschäftigt. Dann müssen neben den offensichtlichen Kosten für Anschaffung und Wartung der Fahrzeuge, den Wareneinsatz und die Geschäftsaustattung auch solche berücksichtigt werden, die für Stand-, Anschluss- und Verbrauchsgebühren sowie Genehmigung und Transport entstehen. Und hiermit sind längst nicht alle möglichen Faktoren erfasst.
Neben den Belastungen, die im beruflichen Alltag entstehen, existieren jedoch häufig auch noch Sorgen im privaten Bereich. In den Familienunternehmen übernimmt immer seltener der Nachwuchs den Betrieb, da der Wettbewerb immer härter wird. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Wechsel in den Altersruhestand sich oft schwierig gestaltet, weil eine ausreichende Altersabsicherung fehlt. Deshalb wird meist noch eine Nebenerwerbstätigkeit ausgeübt.
Heinz Wiedow
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