Die Vorwürfe an die berufstätigen Mütter
Da hat man endlich mal eine verantwortungsbewusste Frau vor sich, die für den Lebensunterhalt ihres Kindes und sich selbst arbeiten geht, statt sich hier auf "Papa Staat" zu verlassen und HARTZ IV zu kassieren, und anstatt ihr Anerkennung und Lob auszusprechen, überwerfen wir sie mit Vorwürfen, dass sie ihre Kinder für ihre Karriere vernachlässigt.
Ich habe jetzt noch - als ich einmal in die verrufenen Talkshows geschaut habe - junge Mütter auftreten sehen, die stolz auf sich selbst waren, weil sie ihr Kind "selber" versorgen konnten und trotzdem noch etwas Geld übrig hatten. Am Ende stellte sich heraus, dass sie HARTZ IV - Empfänger waren. Bei mir kräuseln sich da die Nackenhaare hoch. Andere Mütter haben zwei Kinder oder mehr und arbeiten nebenher trotzdem noch, ob sie nun verheiratet sind oder nicht und ganz gleich, ob der Ehemann und Vater einen festen Job hat oder nicht. Kurzum: diese arbeitswütigen Mütter scheinen einfach dumm zu sein, dass sie selber für ihren Lebensunterhalt etwas tun, statt die ganzen Steuerzahler dafür heranzuziehen. Endeffekt: die Mutter ist glücklich, auf eigenen Füßen zu stehen und nicht ganz so abhängig von ihrem Mann zu sein, und die Menschen tolerieren dies bzw. verurteilen dies, weil sich diese Mütter - laut der Meinung der Un-Toleranten - nicht genug um ihre Familie kümmern.
Oft wird den Müttern vorgeworfen, ihren Mutterverpflichtungen nicht in vollem Umfang nachzukommen und dergleichen. Ich kann dies nicht ganz nachvollziehen. Es erfordert ein enormes Organisationstalent, die Familie, den Haus und den Job unter einen Hut zu bekommen. Des Weiteren muss es ja nicht gleich ein Vollzeitjob sein, auch Nebenjobs können gut bezahlt werden, was beispielsweise in einer Gehaltstabelle nachgerechnet werden kann.
Silvia Kühn
s.kuehn [at] trendmile.com