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Wiederkehr der Hochzeitspaare als Ölgemälde

Früher war natürlich alles besser, sagen heutige Großmütter, wenn sie moderne Technik verfluchen. Dabei berücksichtigen sie allerdings eines nicht: Die Verewigung  von Brautkleid, Brautstruß und Hochzeitsgesellschaft wird weitestgehend ausgelassen, obwohl die Vorzüge moderner Technik hier doch allzu offensichtlich werden. 

Das Verewigen von Hochzeitspaaren war im 19. Jahrhundert ein sehr kostspieliges Unterfangen. Auftrags-Maler, die Hochzeits-Motive als Gemälde fertigten, konnte sich die einfache Bevölkerung in dieser Zeit nicht leisten, die Welt bestand ausschließlich aus Hochzeits-Bildern in der Vorstellung der Menschen, die über die Zeit natürlich schnell verblassten.

Das erste Foto wurde 1826 durch Joseph Nicéphore Niépce hergestellt, Brautpaare fanden allerdings zu dieser Zeit fast nie den Weg auf das historische Fotopapier, lediglich ließen sich die Herrscher dieser Welt verewigen. Mit dem Rollfilm und der von Oskar Barnack bei Leica entwickelten und 1925 eingeführten Kleinbildkamera, die herkömmlichen 35-mm-Kinofilm verwendete, entstanden völlig neue Möglichkeiten für die Gesellschafts-Fotografie. In dieser Zeit konnten sich besser situierte Königshäuser Fotos leisten, für „das Volk“ war dieser Luxus jedoch zunächst weiterhin unerschwinglich.

Die letzten 150 Jahre Fotogeschichte nahmen in rasendem Tempo Ihren Lauf und hinterließen in Form von Polaroid-Fotos, Super-8-Filmen bis zu den heutigen DVDs Millionen Hochzeits Schnappschüssen in digitaler Form, gebannt auf Festplatten, Speicherchips und Handys. Ob als Hochzeits-Geschenk, zum Hochzeitstag oder ähnlichen Anlässen, Brautfotos auf dem PC, als A4-Foto gerahmt oder auf verschiedenen Internetseiten gehören heute zum Standard.

In neuester Zeit ist allerdings ein echter Retrotrend zu beobachten. Die Technik und finde Unternehmer machen es möglich. Nachdem Kunstdrucke und Farblaserdrucker einige Zeit den Markt für Hochzeitsbilder dominierten kann heute jeder seine schönsten Erinnerungen (übrigens auch die dann folgenden Babys sowie Hund, Katze, Pferd und Wellensittich) auf Basis einer digitalen Fotovorlage in Öl als Ölgemälde malen lassen, und dies im Vergleich zum Luxusgut des 19. Jahrhunderts zu erstaunlich erschwinglichen Preisen. In nahezu beliebiger Größe lächeln uns Paare heute aus Öl auf Leinwand entgegen, vielleicht war früher doch alles besser.

Marlon Ikels
Ikels [at] galleryy.net



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