Reisebericht Sevilla
Im vergangenen Herbst (2005) reisten wir für eine Woche in die Hauptstadt Andalusiens. Über das Internet (Lastminute Globus Reisen) hatten meine Freundin und ich den Condor Flug und ein Apartment inmitten der Altstadt gebucht. Obwohl es bei unserer Ankunft regnete, lag noch sommerliche Atmosphäre in der Luft und diese konnten wir dann in den folgenden Tagen bei Sonnenschein und bis zu 27° C auch noch in vollen Zügen genießen.
Wir erlebten Sevilla als eine sehr lebendige Stadt, die nicht nur von Touristen, sondern vor allem durch junge Menschen und studentisches Leben geprägt ist. An vielen Straßenecken und Plätzen trafen wir auf junge Männer, die sich in der Kunst des Flamencospiels übten und die Klänge dieser Musik hallten auch aus den zahlreich angesiedelten Tanz- und Musikschulen auf die Straße. In den engen, verwinkelten Gassen (es ist ratsam, immer einen Stadtplan dabei zu haben) laden zahlreiche Restaurants und Bars zum Verweilen ein. Dem Angebot an Tapas (= kleine Leckereien aus Fisch, Fleisch oder Gemüse) in warmer und kalter Form, aber auch den Spezialitäten wie frischer Paella oder Schinken und Käsen aus der Region konnten (und wollten) wir kaum widerstehen. Wer Sevilla am Abend erleben will, sollte nicht allzu früh aus dem Haus gehen. Gegessen wird in der Regel erst gegen 21.00 Uhr oder später und die Clubs, in denen man den Flamenco live erleben kann, öffnen nur selten vor 23.00 Uhr. Um die Sehenswürdigkeiten Sevillas „abzuarbeiten“, braucht man allerdings keine ganze Woche. Zu nennen sind hier vor allem:
die Kathedrale
mir ihrem Wahrzeichen, dem Glockenturm, der eigentlich ein maurisches Minarett ist und auf dem sich die Giralda (eine weibliche Figur, die den Glauben verkörpert) erhebt,
der Alcázar,
ein Palast, der als Residenz christlicher Könige und anderer Herrscher diente,
der Spanische Platz
mit seinem faszinierenden halbkreisförmigen Gebäude, geschmückt mit zahlreichen Mosaiken,
der Parque Maria de Luisa,
der mit seinen 400 000 qm zu einem Spaziergang einlädt und vor allem an Sonntagen Flaniermeile und Treffpunkt für die einheimische Bevölkerung ist,
der Torre del Oro
(Goldturm), eines der ältesten Monumente der Stadt, der als Wachturm erbaut und später als Schatzhaus und Gefängnis genutzt wurde und in dem heute das Marinemuseum untergebracht ist und
die Stierkampfarena,
die im Zentrum des mit vielen Restaurants gesäumten Stadtviertels Arenal liegt.
Mit einer Stadtrundfahrt, kann man die meisten Sehenswürdigkeiten zu einem Preis von 10 € in wenigen Stunden besichtigen. Wir haben es bevorzugt, die Stadt zu Fuß zu erkunden und uns dabei an mehreren Rundgängen orientiert, die in unserem Reiseführer beschrieben waren.
Wer nur eine Reise nach Sevilla macht, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu entdecken, der kann nach drei Tagen getrost wieder abreisen. Wir haben während unseres einwöchigen Aufenthaltes noch zwei Tagesausflüge nach Cadiz und Córdoba unternommen. Beide Städte sind in ein bis zwei Stunden unkompliziert mit dem Zug zu erreichen und bieten auf jeden Fall Highlights für einen Tag. Man sollte sich allerdings ein bisschen Zeit nehmen, um den Fahrplan und die Züge zu studieren, damit man nicht - wie wir - in einem teuren Intercity landet, der einen nur unwesentlich schneller ans Ziel bringt. Wir haben in dieser Woche aber vor allem eines genossen: Bei einem Glas Wein und guten Tapas bis spät in die Nacht bei angenehmen Temperaturen draußen zu sitzen und die Atmosphäre dieser sympathischen Stadt auf uns wirken zu lassen.
Frank Haufler